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Ausbildung oder Studium: Was die Beschäftigungsdaten zeigen

Das Vorurteil, eine Ausbildung sei nur die zweite Wahl, hält den Zahlen nicht stand. Auszubildende verdienen von Anfang an — laut Bundesinstitut für Berufsbildung im Schnitt 1.209 € brutto pro Monat — und schließen mit dreijähriger Berufserfahrung ab.

Kurz gesagt

Laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB, Datenreport 2025) verdienen Auszubildende durchschnittlich 1.209 € brutto pro Monat; nach Abschluss liegt das Einstiegsgehalt je nach Branche bei 2.500–3.500 € monatlich. Die OECD (Education at a Glance 2025) zeigt: Absolventen beruflicher Bildung haben in 38 Ländern eine Beschäftigungsquote von 79,5 % — gegenüber 75,9 % bei Absolventen des allgemeinbildenden Schulwesens.

7 Min. LesezeitBerufs- und Bildungswahl27. Oktober 2026

Es gibt einen Satz, den viele Eltern kennen, wenn das Abitur nicht wie geplant läuft: „Na ja, es gibt ja noch die Ausbildung." Dieses „Na ja" sagt alles — Plan B, Rückfalloption, die weniger angesehene Wahl. Dabei zählt das duale Ausbildungssystem in Deutschland zu den meistkopierten Bildungsmodellen weltweit. Rund 1,3 Millionen junge Menschen beginnen jedes Jahr eine Ausbildung — nicht weil sie keine andere Wahl haben, sondern weil es für viele der direktere Weg in den Beruf ist.

Wenn der Studierende im ersten Semester die Grundlagen der BWL büffelt, hat sein Altersgenosse in der Ausbildung bereits sechs Monate Berufserfahrung gesammelt — und verdient dabei. Zum Zeitpunkt des Studienabschlusses ist der Ausgebildete schon drei Jahre im Job.

Was das BIBB über Gehälter und Einstieg sagt

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) veröffentlicht jährlich den Datenreport zum Berufsbildungsbericht. Im Bericht 2025 liegt die durchschnittliche monatliche Ausbildungsvergütung bei 1.209 € brutto — über alle Berufsfelder und Ausbildungsjahre gemittelt. In technischen Berufen wie Mechatronik oder IT liegen die Vergütungen im dritten Ausbildungsjahr oft deutlich darüber.

Nach der Abschlussprüfung liegt das Einstiegsgehalt je nach Spezialisierung zwischen 2.500 und 3.500 € monatlich. Das Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit zeigt zudem: In einigen Ausbildungsberufen — etwa Informationstechniker oder Industriemechaniker — liegen die Mediangehälter erfahrener Fachkräfte gleichauf mit denen von Hochschulabsolventen im gleichen Berufsfeld.

Was die OECD über Beschäftigung weltweit zeigt

Der jährliche OECD-Bericht Education at a Glance 2025 umfasst 38 Länder. Für Erwachsene zwischen 25 und 64 Jahren mit beruflicher Bildung lag die Beschäftigungsquote 2024 bei 79,5 %. Bei Absolventen des allgemeinen Sekundarschulwesens: 75,9 %. Die Arbeitslosenquote: 4,8 % gegenüber 5,7 %.

Das ist kein Einzelbefund aus einem Land mit gutem Arbeitsmarkt. Es ist der Durchschnitt über 38 sehr unterschiedliche Volkswirtschaften — von Japan bis Kanada, von Deutschland bis Südkorea. Berufsbildung, die eng mit Arbeitgebern entwickelt wird und Praxisphasen als Pflichtbestandteil enthält, produziert Absolventen, die schneller und reibungsloser in den Arbeitsmarkt einsteigen.

Wann ist die Ausbildung die bewusstere Wahl?

Eine Ausbildung passt, wenn du bereits weißt, in welchem Berufsfeld du arbeiten möchtest — Technik, Informatik, Gesundheit, Handel — und direkt einsteigen willst, ohne Jahre allgemeiner Theorie davor. Wenn praktisches Lernen Frontalunterricht schlägt. Wenn finanzielle Eigenständigkeit in zwei Jahren wichtiger ist als in fünf.

Die Ausbildung verschließt keine Türen zum Studium. Mit einer abgeschlossenen Ausbildung und Berufserfahrung ist in vielen Bundesländern der Hochschulzugang möglich — auch ohne Abitur. Einige Fachhochschulen rechnen Ausbildungsleistungen direkt auf das Studium an.

Wenn du noch nicht weißt, in welche Richtung du gehen willst, beantwortet weder die Ausbildung noch das Studium diese Frage für dich. Ein Berufseignungstest hilft, dein Interessenprofil zu klären — damit du den Bildungsweg wählen kannst, der zu dir passt, nicht den, der gerade übrig bleibt.

Nächste Schritte

  1. Schau dir Ausbildungsberufe in den Bereichen an, die dich interessieren. Zulassungsbedingungen und Ausbildungsqualität variieren stark — informiere dich, bevor du eine Option ausschließt.
  2. Mach den kostenlosen Berufseignungstest — 15 Minuten, keine Anmeldung. Dein Interessenprofil zeigt dir, in welchen Berufsfeldern du die größten Stärken hast.
  3. Sprich mit Menschen, die in deinem Wunschbereich arbeiten — nicht nur Akademiker. Frag, welchen Weg sie gegangen sind und was sie anders machen würden.

Häufige Fragen

Kann man nach einer Ausbildung noch studieren?

Ja. Mit einer abgeschlossenen Ausbildung und entsprechender Berufserfahrung ist der Hochschulzugang in vielen Bundesländern möglich — auch ohne Abitur. Einige Fachhochschulen rechnen Ausbildungsleistungen auf das Studium an und verkürzen damit die Studienzeit.

Verdient man nach einer Ausbildung weniger als nach dem Studium?

In vielen Berufsfeldern kaum. Nach Abschluss der Ausbildung liegt das Einstiegsgehalt je nach Branche zwischen 2.500 und 3.500 € brutto im Monat (BIBB, 2025). In IT, Mechatronik und Gesundheitswesen schließen erfahrene Fachkräfte mit Hochschulabsolventen gleichauf — oder übertreffen sie.

Woran erkenne ich, ob eine Ausbildung zu mir passt?

Die entscheidende Frage ist, ob du schon weißt, in welchem Bereich du arbeiten möchtest. Wenn ja, ist eine Ausbildung oft der direktere, praxisnähere Einstieg. Wenn nein, hilft ein Berufseignungstest dabei, dein Interessenprofil zu klären, bevor du dich auf einen Weg festlegst.

Quellen

  1. OECD (2025). Education at a Glance 2025. oecd.org
  2. Bundesinstitut für Berufsbildung — BIBB (2025). Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2025. bibb.de
  3. Bundesagentur für Arbeit — Entgeltatlas. Gehaltsdaten nach Berufsfeld. arbeitsagentur.de

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine professionelle Berufsberatung dar. Beschäftigungsstatistiken sind aggregierte Durchschnittswerte; individuelle Ergebnisse hängen vom Berufsfeld, der Region und dem Ausbildungsbetrieb ab.

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